Bremer Schulkonsens 2.0

Liebe Leute,

der Schulkonsens, oder auch Bremer Schulfrieden genannt, ist aktuell in aller Munde. Im Dezember 2008 wurde er auf Initiative der CDU zum ersten Mal gemeinsam mit SPD und Grünen beschlossen. Das Modell sorgte bundesweit für Aufsehen. Statt einem ständigen, politisch motivierten hin und her bei der Schulstruktur, sollte für die Bremer Schulen Verlässlichkeit geschaffen werden. Wesentliche Ziele waren neben der Rettung der Gymnasien und dem Einstieg in die Inklusion, Bremen wieder an nationales und internationales Niveau heranzuführen und die soziale Abhängigkeit von Elternhaus und Bildungserfolg zu mindern. Gestern haben sich die Parteivorsitzenden von SPD, CDU, den Grünen und den Linken über eine Fortsetzung und Weiterentwicklung und auf zehn gemeinsame Ziele geeinigt. Dabei ist eins ist klar: So richtig diese Reformpause für Schüler, Eltern und Lehrer war und ist, die oben genannten Ziele sind leider von der bisherigen Regierung ziemlich verfehlt worden.

Es ist deswegen richtig, dass beim neuen Bildungskonsens nicht einfach das Datum ausgetauscht wird, sondern das konkrete und messbare Ziele und Maßnahmen vereinbart wurden (unten findet ihr den ganzen Bildungskonsens zum Nachlesen). Ich finde es gut, dass das zweigliedrige Schulsystem nicht wieder komplett umgeworfen wird. Ich finde es gut, dass die Oberschulen und Gymnasien bestehen bleiben und es auch hinsichtlich Neugründungen keine ideologische „Obergrenze“ mehr gibt, dass die Inklusion weiterverfolgt und besser ausgestattet wird, dass wo Ganztagsschule dran steht, zukünftig auch Ganztagsschule „drin“ sein soll, und auch dass in den kommenden Jahren die Ausgaben pro SchülerIn in Bremen an die der anderen Stadtstaaten angeglichen werden sollen (Berlin und Hamburg geben pro Jahr fast 2.000 Euro mehr pro Schüler aus!). Ein Anliegen für das ich immer wieder – im ersten Schritt mit beitragsfreien Kitas – geworben habe, findet sich in dem Konsens ebenfalls wieder: Die stärkere frühkindliche Bildung. Wenn ein Kind nicht ausreichend Deutsch spricht oder motorische Probleme hat, dann ist es zu spät, wenn wir das erst wenige Monate vor der Einschulung feststellen. Stattdessen machen perspektivisch alle Kinder nun deutlich früher einen Sprachtest und auch das letzte Jahr in der Kita wird speziell darauf ausgerichtet, um alle Kinder schulfit zu machen. Denn wer schon mit Schwierigkeiten ins Schulleben startet, holt die die meist nie wieder aus. Toll also, dass es hier vorangehen soll.

Aber der Bildungskonsens ist auch nicht misszuverstehen. Er schafft Rahmenbedingungen, die von den politisch Verantwortlichen mit Leben gefüllt werden müssen. Das ist der rot-grünen Regierung in den vergangenen Jahren beim ersten Bildungskonsens nicht gelungen, die Ziele wurden ordentlich verfehlt. Bremen ist mit riesigem Abstand Schlusslicht bei nahezu jeder Vergleichsstudie und nirgendwo sonst hängen soziale Herkunft und Bildungserfolg so zusammen wie in Bremen. Den Spruch „Das Leben ist doch kein Bremer Abitur“ will ich aber echt nicht mehr hören, denn – obwohl im Süden Deutschlands als Witz gemeint – wird darin die Tragik unserer Bildungspolitik deutlich. Darum gilt, und ich habe es auf dem Landesparteitag bei meiner Nominierung schon deutlich gemacht, das Thema Bildung wird uns in den kommenden Monaten und Jahren an oberster Stelle begleiten. Für mich wird dieses Thema den Mittelpunkt meines Wahlkampfs und der Zeit danach bilden. Bremen kann was. Bremen hat gute Schulen, motiviertes Lehrpersonal. Um dieses weiter aufzustocken müssen wir unsere Standortattraktivität steigern, um weitere Lehrerinnen und Lehrer zu gewinnen. Ich möchte mehr Autonomie an die Schulen zurückgeben, denn die Schulleitung und Lehrpersonal vor Ort weiß am besten, welche Maßnahmen bei ihnen umsetzbar sind und welche nicht. Und auch die von mir angestoßene Diskussion über die Rückkehr zu G9 müssen wir noch weiter diskutieren, dazu gibt es im Bildungskonsens nämlich keine Festlegung. Ein Jahr mehr bis zum Abi ist für mich nach wie vor richtig, um die Qualität der Abschlüsse zu steigern. Dies bestätigt übrigens auch das Ergebnis einer kürzlich durchgeführten Umfrage in Bremen – ganze 83% der befragten Bremerinnen und Bremer aus allen politischen Lagern sind für die Rückkehr zu einer 9-jährigen Gymnasialzeit.

Ihr seht also, der politische Wettbewerb ist also durch den Bildungskonsens nicht überflüssig geworden, im Gegenteil: Es geht für jede Partei darum, das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zu gewinnen, dass sie die vereinbarten Ziele am zügigsten und erfolgreichsten umsetzt. SPD und Grüne hatten bereits die Chance es zu zeigen, mit der CDU werde ich dafür werben, dass es besser und tatkräftiger geht. Die jüngste Umfrage, in der uns die höchste Kompetenz beim Thema Bildung zugetraut wurde, ist da schon mal eine Motivation und zeigt, dass die CDU in Sachen Bildung mit guten und ernsthaften Vorschlägen auf dem richtigen Weg ist.

Apropos Ernsthaftigkeit und Verantwortung: noch einen Kommentar zu FDP, die kurz vor dem Abschluss aus dem Bildungskonsens ohne überzeugende Begründung ausgestiegen ist (gab´s da nicht mal was ähnliches mit Lindner in Berlin?). Es ist mir schleierhaft, wie, wenn man das Gros des Bildungskonsenses eigentlich inhaltlich unterstützt, sich aus wahlkampfstrategischen Gründen wegducken kann. Verantwortung übernehmen, sieht für mich anders aus. Fest steht, ohne die Mitarbeit und Zustimmung der CDU hätten wir einen rot-rot-grünen Bildungskonsens bekommen. Für die Gymnasien & Schulen in freier Trägerschaft oder die Verbesserung der Qualität sähe es dann schlecht aus.

 

Hier nochmal der gesamte Bremer Schulkonsens als Download:

Bremer Konsens zur Schulentwicklung 2018-2028

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Warum uns Rot-Rot-Grün in Bremen nicht nach vorne bringen würde

Hallo Leute,

in den letzten Tagen haben sich Carsten Sieling und Karoline Linnert für den rot-grünen Senat sowie die Parteiführung der LINKEN vorsichtig, aber doch deutlich in Richtung einer möglichen rot-rot-grünen Koalition (R2G) nach der Bürgerschaftswahl 2019 positioniert. Ich glaube, dass Rot-Rot-Grün Bremen kein Stück voranbringen wird. Im Gegenteil. Mit der ersten Regierungsbeteiligung der LINKEN in einem westdeutschen Bundesland würde sich Bremen weiter ins politische Abseits stellen. Aus welchen Gründen, lest ihr hier.

Schon das Verhältnis der jetzigen rot-grünen Koalition ist das, was man wohl getrost „abgekühlt“ nennen kann: Bei essentiellen Themen, wie dem Bau des Offshore Terminals, neuen Baugebieten und Gewerbeflächen oder – ganz aktuell – einem überarbeiteten Polizeigesetz, sind die Koalitionäre zerstritten und blockieren jeden Fortschritt. Glaubt ihr daran, dass sich diese Blockade auflöst, wenn die LINKE das Krisen-Duo ergänzt? Ein solcher dritter Koalitionspartner, der so offen sein Misstrauen gegen die Polizei zur Schau stellt wie die LINKE, wäre zudem ein Rückschlag für die Arbeit, vor allem aber für die Wertschätzung der Polizei. Angesicht neuer Kriminalitätsfelder wie der Cyberkriminalität, der Banden- und Clankriminalität in Bremen und der steigenden Anzahl salafistischer Gefährder brauchen wir mehr denn je Sicherheit durch und Rückhalt für die Polizei.

Auch für die Wirtschaft würde „R2G“ wohl bitter schmecken. Wer wie die LINKEN gerne nach höheren Unternehmens- und der Wiedereinführung der Vermögenssteuern ruft, würde sich zwar gut in die aktuelle Wirtschaftsfeindlichkeit des rot-grünen Senats einfügen, aber mehr Arbeitsplätze und Steuereinnahmen generiert man so nicht. Ich habe mehrfach eine stärkere Willkommenskultur für Investoren und die Schaffung wirtschaftsfreundlicher Rahmenbedingungen gefordert, das alles bliebe in einem rot-rot-grünen Klima undenkbar. Für einen Industriestandort wie Bremen und die vielen Arbeitsplätze, die z.B. in der Hafenindustrie oder Automobilindustrie generiert werden, wäre das fatal. Bremen hat doch heute schon die höchste Arbeitslosigkeit im Bundesgebiet und in Sachen Unternehmensabwanderung haben wir in den vergangenen Jahren auch schon einiges erlebt.

Aber würde sich Rot-Rot-Grün nicht vielleicht besonders um die sozialen Probleme in unserem Land (Alleinerziehende, Arbeitslosigkeit, Kinderarmut) kümmern? Bestimmt und zwar mit der Geld-Gießkanne, aber die wirklichen Probleme löst man durch die Alimentation der Armut nicht. Natürlich soll jeder Mitbürger, der Hilfe braucht, die Unterstützung vom Staat bekommen. Ich finde aber auch, anstatt in Bremen immer höhere Sozialausgaben hinzunehmen muss es die Aufgabe von guter Sozialpolitik sein, die Menschen aus ihrer Armutsspirale herauszuholen und sie für ein selbstbestimmtes Leben zu stärken. Der Schlüssel hierfür ist eine gute Bildung von Anfang an. Das muss aus meiner Sicht im Kindergarten mit einem verpflichtenden dritten Kindergartenjahr anfangen und mit verbindlichen Ganztagsschulangeboten und einer neuen Qualität der schulischen Bildung fortgesetzt werden. Für junge Alleinerziehende brauchen wir flexiblere Fort- und Ausbildungen in Teilzeit. Und ja (schon wieder Wirtschaft ;-)), auch mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze durch wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen sind eine wichtige Säule, um Armut abzubauen. Wenn wir es schaffen, möglichst viele Menschen zu befähigen ohne staatliche Unterstützung zu leben, helfen wir nicht nur ihnen und ihren Familien, sondern auch unserem Bundesland. Aktuell geben wir über eine Milliarde Euro jährlich für Sozialleistungen aus, mit so viel Geld könnten wir sicher viele, tolle Projekte anstoßen, die Bremen und Bremerhaven nach vorne bringen.

Zu Guter Letzt: Rot-Rot-Grün wäre keine Koalition der neuen Ideen, sondern nur eine auf Machterhalt und Fortsetzung von mehr als 70 Jahren SPD-Regierung setzende Zusammenarbeit. Bremen braucht aber neue Ideen, neuen Mut, Kreativität, Stabilität und sicherlich keine Regierungsexperimente. Um die wirklichen Probleme der Menschen in Bremen und Bremerhaven zu lösen, braucht es keine ideologiegetriebene Politik wie durch (Rot-)Rot-Grün sondern pragmatische Lösungen. Das wird nur mit der CDU in der Regierungsverantwortung gelingen, dafür stehe ich, dafür werde ich in den nächsten Monaten werben.

 

 

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Die rote Laterne …

Hallo Leute,

eigentlich hat sich ja schon ein bisschen Gewohnheit eingestellt. Immer wenn eine Bildungsvergleichsstudie mit neuen Erkenntnissen auf den Markt kommt, ist das Ergebnis für Bremen meistens ähnlich: In Sachen Bildung rangiert unser kleines Bundesland auf den untersten Plätzen.  Der Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat nun ebenfalls wieder eine ziemlich deprimierende Gesamtschau für Bremen geliefert. Bremen ist im Vergleich zum Vorjahr sogar noch abgerutscht: Vom vorletzten auf den letzten Platz aller Bundesländer. Die Schulqualität bei uns liegt laut Studie im Minusbereich bei -20! Jetzt kann man zynisch sagen: Wer ganz unten der Tabelle ist, kann wenigstens nicht noch weiter abrutschen. Aber das ist nicht nur unangemessen, ist auch unfair gegenüber denjenigen, die spätestens nach der Schule echte Nachteile dadurch haben werden: Unsere Kinder.

Mehr Lehrer an die Tafel, mehr Tempo beim Ganztagsausbau und der Inklusion, mehr Autonomie für die Schulen, verzahntere frühkindliche Bildung: Über Ansätze zur Verbesserung der Schulqualität haben wir schon viel diskutiert. Uns mangelt es nicht an Erkentnissen, sondern aus meiner Sicht hat der rot-grüne Senat ein Umsetzungsproblem. Besonderes Interesse an der Studie hat bei mir aber der Bereich Digitalisierung geweckt. Zum ersten Mal hat die Studie auch die Digitalisierung im Bildungswesen untersucht. Dass Bremen da (noch) im Mittelfeld liegt, sollte uns keinesfalls beruhigen. Denn auch hier gilt: Wir haben viel Papier, sind aber in der Umsetzung zu langsam.

In Bremerhaven zum Beispiel, da gibt es immer noch Berufsschulen, die eine Internetverbindung haben, die man zu Recht als lahme Ente bezeichnen würde. Schnelles WLAN, also eine gute Infrastruktur, ist aber die erste Voraussetzung damit digitaler Unterricht überhaupt sinnvoll umgesetzt werden kann. Und auch beim technischen Support an den Schulen oder der Ausbildung der LehrerInnen für digitalen Unterricht ist aus meiner Sicht noch viel Luft nach oben. Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Dass Bremen so klein und kompakt ist, könnte man als prima Vorteil nutzen, um Leuchtturmprojekte umzusetzen. Warum also nicht endlich das erste digitale Klassenzimmer oder gleich eine digitale Modellschule an den Start bekommen? Aus den Erfahrungen und Learnings könnten alle anderen profitieren.

Ich bin mir bewusst, dass ein Whiteboard und ein Handy im Unterricht weder ein Selbstzweck sind noch die Masterlösung für die schlechte Schulqualität im bremischen Schulsystem. Kein Tablet der Welt ersetzt den Lehrer an der Tafel. Aber: Der sichere Umgang mit und die Ausnutzung von digitalen Möglichkeiten gehört heute zur Grundausrüstung für junge Menschen. Wenn Schule da nicht mit der reellen Welt mithalten kann, dann ist das auf Dauer fatal. Denn SchülerInnen von heute müssen sich auch zunehmend im internationalen Wettbewerb messen.

In Berlin ist der Digitalpakt beschlossen worden, das heißt, es wird auch finanzielle Mittel für Bremen geben, um die Digitalisierung voranzutreiben. Das ist eine gute Starthilfe. Das Bildungsressort sollte nicht den Fehler machen, auch hier die Entwicklung zu verschlafen. Sondern mögliche Projekte und Konzepte sollten z.B. in gemeinsamen Workshops  mit den Schulen rechtzeitig begonnen und vorbereitet werden.

 

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Eine neue Generation

Hallo Leute,

am Montag wurden acht unserer Azubis bei team neusta aus ihrem Auszubildenden-Dasein verabschiedet und als neue Mitarbeitende begrüßt. Wir konnten allen einen festen Arbeitsvertrag bieten. Andersrum gesehen … alle hatten Lust, im Unternehmen zu bleiben und erstmal zu arbeiten. Darüber freue ich mich sehr! Heute geht bereits die neue Azubi-Generation an den Start. Wir begrüßen 19 neue Auszubildende in der gesamten team neusta Gruppe.

Dass unser duales Ausbildungssystem für deutsche und natürlich bremische Unternehmen enorm wichtig ist, um die nächste Fachkräfte-Generation zu sichern, brauche ich –  glaube ich –  nicht nochmal explizit zu sagen. Es trägt außerdem dazu bei, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland zu den niedrigsten in ganz Europa zählt. Für die Politik gilt es vor allem, dieses System zu unterstützen, sodass es einen gleichrangigen Stellenwert zur akademischen Ausbildung in Deutschland bekommt. Die beiden Systeme stehen zunehmend in Konkurrenz um die Schulabgängerinnen und Schulabgänger.

Laut dem aktuellen Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) herrscht immer noch ein großes Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt – es gibt viele unbesetzte Ausbildungsstellen und auf der anderen Seite viele Ausbildungsplatzsuchende. Das zeigt sich auch in Bremen und Bremerhaven. Hier gab es Ende Juni 2018 noch 1700 unbesetzte Ausbildungsplätze. Daneben konnten bisher 2000 Bewerberinnen und Bewerber keinen Ausbildungsplatz finden.

Auch hier zeigt sich mal wieder: Politik und Unternehmen müssen an einem Strang ziehen. Welche Fähigkeiten sind für ausbildende Organisationen branchenübergreifend wichtig? Da fallen mir als Erstes Selbstständigkeit, strukturiertes Arbeiten, Durchhaltevermögen, eigene Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen ein. Wie kann das Schulsystem diese ausbilden und fördern? Sicherlich nicht in starren Lehrplänen ohne Praxisbezug. Eine Profilierung von Oberschule und Gymnasium hin zur dualen Ausbildung bzw. einer akademischen Ausbildung wäre daher sinnvoll, um die für die jeweiligen Wege notwendigen Kompetenzen gezielt zu fördern. Denn auch bei Studierenden hapert es: Wir haben erst vor kurzem durch eine Studie gesehen, dass es Bremer Abiturienten an Studierfähigkeit mangelt. Vor diesem Hintergrund habe ich auch die Frage aufgeworfen, ob das sogenannte „Turbo-Abitur“ (siehe Blogbeitrag vom 23.7.2018, Back to the future) wirklich sinnvoll ist oder ob wir unseren Kindern nicht ein Jahr mehr Zeit lassen sollten, um einerseits ihre Persönlichkeit zu entwickeln, um andererseits in den Schulen aber auch mehr Zeit für Berufsbildung zu haben.

Unternehmen müssten auf der anderen Seite Praxis-Anforderungen noch transparenter machen, Ressourcen zur Verfügung stellen, um die Zusammenarbeit mit Schulen zu intensivieren, für eine gewisse Durchlässigkeit zwischen Schule und beruflicher Ausbildung sorgen.

Es wären noch 100 Maßnahmen auf beiden Seiten zu nennen. Für mich ist das ein spannendes zukunftsweisendes Thema, welches uns in den kommenden Jahren beschäftigen wird und sollte.

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Back to the future

Hallo liebe Leute,

die Schulzeit liegt bei mir ja schon etwas zurück 🙂 und inzwischen hat sich (zum Glück) viel geändert. Allerdings gibt es Entwicklungen, über die wir diskutieren müssen, finde ich. Das sogenannte “Turbo”-Abi ist 2008 eingeführt worden und hat die Zeit für die Bremer Schülerinnen und Schüler auf Gymnasien auf 8 Jahre (G8) verkürzt.  Ich habe inzwischen große Zweifel, dass sich dieser Schritt bewährt hat. Im Gegenteil: Ich glaube, ein Gros der Schülerinnen und Schüler hat Nachteile dadurch. Darum habe ich im Gespräch mit dem Weser Kurier gefordert, dass wir unseren Schülern wieder ein Jahr mehr Zeit geben und zu G9 zurückzukehren.

Warum?

Die latente Kritik an G8 kennt wohl jeder von uns aus seiner Familie oder seinem Bekanntenkreis mit betroffenen Kindern, von Lehrern oder Eltern. Erstmals gibt es jetzt aber auch eine Studie, die Hinweise liefert, dass wir den Jugendlichen mit der Turbo-Schulzeit nicht unbedingt einen Gefallen tun. Die Kernaussage der Untersuchung der Uni Bremen von vor einigen Wochen ist folgende: Wer in Bremen Abitur macht,

  • schließt das Studium häufiger nicht ab als Studenten aus anderen Bundesländern
  • hat geringen Studienerfolg als Studenten aus anderen Bundesländern
  • wechselt häufiger den Studiengang als Studenten aus anderen Bundesländern
  • hätte bessere Chancen, wenn er sein Abitur anderswo gemacht hätte

Offensichtlich sind also Bremer Abiturienten weniger “studierfähig” – wie es so schön im Politikjargon heißt – als ihre Altersgenossen aus anderen Bundesländern. Jetzt kann man sagen, ja, in Bremen, da ist eben die ganze Bildung Mist. Stimmt, wir haben viele Baustellen. Aber möglicherweise gehört auch zu der Erklärung, dass unsere Kinder einfach ein bisschen mehr Zeit brauchen. Gerade für Kinder aus sozial schwächeren Familien, die zu Hause vielleicht nicht die Unterstützung bekommen, die sie bräuchten,  wäre ein zusätzliches Jahr auch ein wichtiger Faktor für Chancengleichheit.

Ein Großteil der Argumente für die verkürzte Schulzeit von damals sind zudem weggefallen: Wir haben keine Wehrpflicht mehr. Und auch die Studienzeit ist durch den Bologna-Prozess verkürzt, d.h. die Absolventen stehen dem Arbeitsmarkt sowieso schon früher zur Verfügung. Das ist ziemlich technisch, für mich sind es darüber hinaus vor allem gesellschaftliche und soziale Punkte, warum ich eine Rückkehr zu G9 diskutieren möchte.

Ich kenne es aus meiner eigenen Familie: Der Leistungsdruck der Schüler ist so hoch, dass die gesamte Freizeit für Hausaufgaben oder das Lernen für Arbeiten verwendet wird. Die Unterrichtstage sind zudem oftmals sehr lang. Für Sport im Verein, Musizieren oder ehrenamtliches Engagement bleibt da kaum Zeit. Für die Persönlichkeitsentwicklung finde ich das aber enorm wichtig. Auch ein Schuljahr im Ausland, um Sprachen zu lernen und andere Kulturen zu erleben, ist unter diesen Bedingungen kaum noch möglich.

Gerade wenn wir feststellen, dass den Bremer Abiturienten offenbar notwendige Fähigkeiten zum Studieren oder für eine Ausbildung fehlen, müssen wir auch überlegen, wie wir die Berufsbildung an den Schulen verbessern können. Hamburg hat jüngst ein Unterrichtsfach “Berufsbildung” eingeführt. Das finde ich einen guten Ansatz, um das aber im übervollen Lehrplan unter zu bekommen , wäre ein Jahr mehr bis zum Abi Voraussetzung.

Eine Rückkehr zu G9 als Standard kann nicht von heute auf morgen stattfinden. Ich möchte meinen Vorschlag in der Partei diskutieren. Zudem müssen Ressourcen, also Klassenlehrer und Räume, sichergestellt sein, bevor man loslegt. Und natürlich sollen alle Kinder, die besonders schnell lernen, auch weiterhin das Abitur nach 8 Jahren machen dürfen. Diese Durchlässigkeit muss gewahrt bleiben. Aber den meisten der Jugendlichen tun wir nach meiner Überzeugung einen Gefallen, wenn wir das Abitur nach neun Jahren wieder zum Standard machen. Übrigens hat auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion in dieser Woche einen Antrag eingereicht, indem der Senat aufgefordert wird, zu prüfen, inwieweit eine Rückkehr zur 13-jährigen Schulzeit möglich und geeignet ist, die Chancen Bremer Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Wir werden das Thema also auch im Parlament diskutieren. Im Kern geht es mir darum, alles dafür zu tun, die Chancen unserer Kinder für eine erfolgreiche Ausbildung oder Studium zu verbessern.

Den Weser Kuriert Artikel findet ihr hier:
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-cduspitzenkandidat-will-abi-nach-neun-jahren-_arid,1750785.html

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