Damit es wieder läuft …

Moin Moin,

ich finde, wir sollten mal über den Verkehr reden. Darüber ist in den vergangenen Wochen ja viel diskutiert und gestritten worden. Das ist gut und wichtig, die Verkehrsprobleme in Bremen sind ja ganz offensichtlich. Egal ob ich morgens mit dem Auto im Stau auf der A270 in Bremen-Nord stehe, mich auf engen oder holprigen Fahrradwegen durch den Stadtverkehr schlängele oder versuche, mit der einzigen, überfüllten Buslinie zu Stoßzeiten in die Überseestadt zu kommen, irgendwie hakt es. Und ich kann verstehen, dass viele Menschen davon echt genervt sind. Insbesondere bei der politischen Auseinandersetzung über das Verkehrschaos fehlt mir aber ab und an der Pragmatismus. Während für die FDP der Autoverkehr irgendwie das einzige, liebste und wichtigste Verkehrsmittel zu sein scheint, wirken die Grünen – allen voran ihr Verkehrssenator –  so, als würden sie an der stadtweiten Bannmeile für Autofahrer arbeiten.

Ich finde erstens, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichwertig sind. Das grüne Autofahrer-Bashing durch höhere Gebühren oder die Verknappung von Parkplätzen ist genauso sinnlos wie die FDP ausblendet, dass wir in einer modernen Stadtgesellschaft leben, in der viele Menschen auf vielfältige Mobilitätsangebote setzen als nur auf das eigene Auto und wir ohnehin gut beraten sind, wenn wir uns möglichst schadstoffarm und klimafreundlich fortbewegen. Ich finde es deshalb auch richtig, wenn wir schauen, wie wir unsere schöne Innenstadt vom Verkehr entlasten können, ohne dass sie bald keine Besucher mehr hat. Mit der Absicht die Parkgebühren um bis zu 50 Prozent zu erhöhen, hat der Verkehrssenator jedoch keinen ernstzunehmenden Beitrag geleistet. Es muss darum gehen, es besser zu machen und nicht teurer. Mondpreise für Parkhäuser lösen nicht das Problem. Autofahrer auf diesem Wege und ohne Alternative aus der Innenstadt zu vertreiben, schadet letztendlich den Geschäftsleuten und der Attraktivität der City. Wir brauchen praxistaugliche Alternativen. Das fängt an bei einem besseren Angebot und einem wachsende Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Zweitens bin ich überzeugt, dass wir alle Möglichkeiten eines digitalen, modernen Verkehrsmanagement nutzen müssen. Für die Herausforderung, den Autoverkehr in der Innenstadt zu reduzieren, könnte zum Beispiel eine Mobilitätsplattform in Form einer App ein lösungsorientierter Ansatz sein, die sämtliche Mobilitätsangebote (Öffentlicher Nahverkehr, Car-Sharing, Mietfahrräder, städtische Parkhäuser) miteinander vernetzt und uns Verkehrsteilnehmern unkompliziert aufzeigt, wie wir am schnellsten von A nach B kommen und schleppende Suchverkehre in der Innenstadt minimiert.

Solche digitalen Lösungen halte ich auch für das Baustellen-Chaos, das wir Anfang Oktober erlebt haben, für sinnvoll. Es ist doch unstrittig, dass es dringend nötig ist, endlich damit zu beginnen, unsere maroden Straßen und Brücken zu sanieren. Dass solche Maßnahmen in Bremen allerdings jedes Mal den Verkehr lahmlegen und zum Chaos führen, weil zum Beispiel ein Großereignis wie der Marathon „übersehen“ wird, ist aus meiner Sicht kein unvermeidbarer Automatismus. Wir brauchen auch dort ein moderneres, digitales Verkehrsmanagement. Optimal wäre eine behördenübergreifende Anwendung, auf der neben allen aktuellen und geplanten Baustellen, vorgesehenen Umleitungen auch geplante Großveranstaltungen frühzeitig zusammengefasst und zeitlich und verkehrlich aufeinander abgestimmt werden, sodass Überschneidungen und Chaos schon bei der Planung verhindert werden und es zu keinen Informationsverlusten kommt.

Wenn wir eine moderne und bessere Verkehrspolitik machen wollen, müssen wir diese Dinge angehen. Dafür werde ich mich einsetzen! Und dann bald so: Gute Fahrt 😉

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